Dietmar Hirsch hat mit dem MSV Duisburg eine eindeutige Mission: den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Nach dem knappen Scheitern in der Vorsaison als Aufsteiger führte der Trainer die Zebras erneut souverän an der Spitze der 3. Liga. Im Interview mit Transfermarkt spricht der 54-Jährige über den Umgang mit der „beschissenen“ Enttäuschung, mutigeren Fußball und die gestiegene Erwartungshaltung im Umfeld.
Außerdem verrät der Ex-Profi, warum er kein Wappen küsst, welche Rolle er für seine Spieler einnehmen möchte und was er über seinen viral gewordenen Pressekonferenz-Clip denkt.
Dietmar Hirsch über …
… den Umgang mit dem knapp verpassten Zweitliga-Aufstieg:
„Das war schon extrem beschissen. Das Schlimmste war, als abgepfiffen wurde und wir gemerkt haben: Wir sind nur Vierter. Da war völlige Leere. Aber wir machen nach dem Spiel immer den Kreis mit den Spielern, und da kann man auch einfach mal sagen, wie es einem geht. Ich sagte: ‚Heute fällt mir nichts ein.‘ Aber man sollte die Spieler nicht einfach allein lassen. Da fing die Aufarbeitung an. Wir sind nicht direkt mit der Enttäuschung in den Urlaub gegangen, sondern konnten noch einmal mit den Jungs sprechen: über Stolz, eine sensationelle Saison und einen neuen Anlauf im nächsten Jahr. Die Jungs haben gut darauf reagiert und das genauso gesehen. Eine Woche später stand noch das Niederrheinpokal-Finale an. Der Titel hat ein bisschen getröstet.“
… den Fortschritt 2026/27 in Duisburg:
„Wir sind im Großen und Ganzen zusammengeblieben und haben uns punktuell qualitativ noch einmal verstärkt. Wir spielen besseren und mutigeren Fußball. Das müssen wir auch, weil sich die Mannschaften inzwischen öfter etwas tiefer gegen uns reinstellen. Da müssen wir Lösungen finden. Ich finde, wir sind pressingresistenter geworden. Wir verteidigen extrem gut, haben aber auch gute Kicker, die den Ball nicht nur über sich drüber fliegen sehen wollen. Das hat mit Mut und Entwicklung zu tun, aber auch mit Qualität, die wir dazugewonnen haben. (…)
Wir stehen oben, also machen wir schon relativ viel richtig. (…) Jetzt haben wir schon einen Zwei-Tore-Rückstand und einen Rückstand in Unterzahl gedreht. Dieser Glaube an uns selbst ist ein weiterer Fortschritt. Verbessern kann man immer das Spiel mit dem Ball.“
… den Traum, mit dem MSV wieder an erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen:
„Ich finde, den muss man verfolgen, weil man dafür die Infrastruktur hat. Wir haben ein bundesligataugliches Stadion, das vielleicht noch modernisiert werden müsste. Das Trainingsgelände ist mindestens zweitligatauglich, die Bedingungen sind hervorragend. Man lässt uns in Ruhe arbeiten – und wir haben geliefert.“
… seine persönlichen Ambitionen als Trainer:
„Ich denke nicht jeden Tag darüber nach, aber wenn man als Trainerteam so viel erreicht hat, dann macht das was mit dir. Natürlich würde ich gerne mit diesem Verein in die 2. Liga, aber ich bin mit keinem Verein verheiratet. Ich liebe das hier, ich bin im zehnten Jahr dabei, sieben als Spieler, das dritte als Trainer. Aber ich möchte – wie damals als Fußballer – so weit wie möglich nach oben. Ich sehe mich immer noch als entwicklungsfähigen jungen Trainer, auch wenn ich 54 bin. Ich habe bis 37 gespielt und erst danach meine Trainerscheine gemacht, bei anderen beginnt das inzwischen 20 Jahre früher. Ich traue mir zu, Bundesliga oder 2. Liga zu trainieren, und da möchte ich auch hin.“
… Offenheit für Neues:
„Wenn es mit dem MSV klappt – super, denn der Verein ist für mich etwas Besonderes. Ich halte aber nichts davon, ein Wappen zu küssen. Wenn ich zu einem anderen Verein gehe, egal in welcher Liga, habe ich da auch mein Herz und gebe jeden Tag alles. Das sage ich auch meinen Spielern: ‚Im Optimalfall steigen wir zusammen in die 2. Liga auf. Aber wenn ihr persönlich so auf euch aufmerksam macht, dass euch nächstes Jahr ein Zweitligist haben will, gönne ich euch das, und wir finden eine Lösung. Wenn ihr dann eine Liga höher spielt, bin ich total stolz.‘“
… seine Grundeinstellung und Zukunft:
„Neulich ist ein ehemaliger Mitspieler von mir gestorben. Da denkst du dir: ‚Meine Güte, mach dir nicht so einen Kopf, wenn du mal ein Spiel verlierst. Genieß es einfach, denn du bist gesund.‘ Ich werde Anfang des Jahres zum ersten Mal Opa – sowas erdet einen. Ich bin mit vollem Herzen Trainer, aber auch Familienmensch. Und ich glaube, ich muss mir um meine nahe Zukunft als Trainer keine Gedanken machen. Wenn es hier irgendwann zu Ende geht, kommt wahrscheinlich etwas anderes. Das war früher nicht immer so: Du bist acht Monate irgendwo Trainer, wirst entlassen und musst wieder umziehen. Irgendwann musst du als Trainer etwas vorzuweisen haben. Der Aufstieg mit einem Regionalligisten in die 3. Liga war auch für meinen persönlichen Werdegang extrem wichtig.“
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Quelle: Transfermarkt.de
Photo: © MMB/Below (Archivbild)
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