Wenn Ray Wilson in Duisburg spielt, ist das längst keine Überraschung mehr – sondern fast schon gute Gewohnheit. Zweimal im Jahr macht der gebürtige Schotte hier in Duisburg Station, im Steinhof und beim Stadtfest im Juli in der Innenstadt.
So auch am Freitagabend (27.02.) im Rahmen seiner Tour „Genesis classics“ in der Eventlocation im Duisburger Süden. Und wie so oft war das Publikum nicht zufällig da: Viele der Besucherinnen und Besucher begleiten Wilson seit Jahren, manche offenbar seit Jahrzehnten.
Der Abend im Steinhof Duisburg wirkte entsprechend vertraut. Man kennt sich, man weiß, was einen erwartet – und doch bleibt jedes Konzert eigen. Wilson, kurzzeitiger Frontmann von Genesis in den späten 90er-Jahren, setzt weiterhin auf die bewährte Mischung aus Songs seiner Solokarriere und ausgewählten Genesis-Titeln.
Gerade diese Balance macht den Reiz seiner Auftritte aus. Die Klassiker werden nicht kopiert, sondern in einem eigenständigen, oft reduzierten Sound ohne Schnickschnack präsentiert. Wilsons markante Stimme steht dabei klar im Mittelpunkt. Sie trägt die ruhigeren Passagen ebenso sicher wie die druckvolleren Momente. Dass viele im Saal textsicher sind, versteht sich fast von selbst – hier wird nicht nur konsumiert, hier wird mitgesungen (siehe dazu auch die Setlist im Anhang).
Seine vielköpfige, routinierte Band – seit wenigen Wochen um einen jungen Gitarristen namens Artur Paczak (aus Poznan) ergänzt. Er soll Rays Bruder Steve, der seit dem letzten Konzert in Bochum im Dezember, etwas gesundheitlich angeschlagen ist, unterstützen. Die bezaubernde Violinistin Alicja und die rockende Männertruppe auf der Bühne agieren routiniert, präzise und mit sichtbarer Spielfreude. Gitarren- und Keyboardparts greifen sauber ineinander, Bass und Schlagzeug sorgen für ein solides Fundament, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders in den ruhigeren Arrangements zeigt sich die Stärke des eingespielten Teams: kontrollierte Dynamik statt großer Effekte.
Zwischen den Songs bleibt Wilson locker, erzählt kleine Anekdoten, bedankt sich mehrfach für die langjährige Treue des Duisburger Publikums. Man merkt: Diese Auftritte sind für ihn kein anonymer Tourstopp, sondern feste Termine im Kalender.
Am Ende gab es wieder stehende Ovationen und mehrere Zugaben. Kein überbordendes Spektakel, keine großen Showeffekte – sondern ein souveräner, handwerklich starker Konzertabend für ein Publikum, das genau das schätzt. Duisburg und Ray Wilson – das funktioniert weiterhin verlässlich.
LINE UP
RAY WILSON (Vocals, Guitar)
STEVE WILSON (Vocals, Guitar)
ALI FERGUSON (Guitar, Vocals)
LAURIE MACMILLAN (Bass, Vocals)
KOOL LYCZEK (Piano, Keyboards)
MARCIN KAJPER (Saxophone, Flute, Clarinet)
MARIO KOSZEL (Drums, Percussion)
ALICJA CHRZASZCZ (Violin)
ARTUR PACZAK (Additional Guitar), neu dabei
SET-LIST / Duisburg
There Must Be Some Other Way, Congo, That´s All, Land of Confusion, Home by the Sea,
Take it Slow, American Beauty, Carpet Crawlers, Dividing Line.
Calling all Stations, No Son of Mine, Another Day in Paradise, In The Air Tonight,
Propaganda Man, Alone, Symptomatic, Shouting in my Sleep, Goodbye Baby Blue,
Follow you Follow Me, Solsburry Hill.
Zugabe: Wish you Were Here, Knocking on Heavens Door.
WEITERE TOURDATEN IM REVIER
17.07.2026: Duisburg – Stadtfest auf der Kö (Bühne 1, ab 19:30 Uhr)
16.10.2026: Olfen – Stadthalle (20:00 Uhr)
30.10.2026: Unna – Kühlschiff/Lindenbrauerei (20:00 Uhr)
05.12.2026: Leverkusen – Scala-Club (20:00 Uhr)
11.12.2026: Bochum – Christuskirche (20:00 Uhr)
02.04.2027: Dortmund – Paulskirche (20:00 Uhr)
04.04.2027: Oberhausen – Ebertbad (19:00 Uhr)
Text/Photos: © Frank T. Below (MMB/Below)

