Die Ausstellung „Bunt, frech, wundersam – weibliche Perspektiven“ versammelt vom 23. Januar bis 15. März 2026 in der cubus kunsthalle Duisburg sieben Künstlerinnen, die auf eigenständige, mutige und überraschende Weise das Spannungsfeld zwischen Weiblichkeit, Identität und gesellschaftlicher Wahrnehmung ausloten.
AUSSTELLUNG
Ingrid Butschek, Heike Feddern, Lilly Hill, Juliane Hundertmark, Ewa Kwasniewska, Bettina Moras und Petra Müller
ÖFFNUNGSZEITEN
mi-so, jeweils 14-18 Uhr
Künstlerinnen, deren Handschriften so unterschiedlich wie markant sind. Mal poetisch, mal provokant, mal humorvoll nähern sie sich Fragen nach Körper, Rollenbildern, Emotion und Ausdruck. In Malerei, Fotografie und Mischtechniken entstehen Werke voller Energie, Farbe und Tiefgang, die weibliche Sichtweisen sichtbar und fühlbar machen.
Ingrid Butschek – Skurrile Tierwesen
Ingrid Butschek, 1962 in Ludwigsburg geboren, bewegt sich in ihrem Schaffen zwischen Malerei, Objektkunst und Land-Art-Installationen. Immer wieder treten darin skurrile, fantasievolle Tierwesen auf – in Zeichnungen ebenso wie in Skulpturen aus natürlichen und recycelten Materialien. Mit anarchischer Leichtigkeit stelle diese die vertraute Ordnung auf den Kopf, öffnen Räume für Fantasie und entfalten eine befreiende Energie, die den Betrachter einlädt, Konventionen humorvoll zu hinterfragen.
Von 1981 bis 1984 absolvierte Ingrid Butschek eine Ausbildung zur Physiotherapeutin in Hannover und Schwäbisch Hall. 1988 folgte ein prägender Auslandsaufenthalt in den USA, wo sie an der California State University in Chico ein Gaststudium absolvierte und bei Michael Bishop Malerei sowie Bronzeguss studierte. Seit 2001 widmet sie sich intensiv der künstlerischen Arbeit und vertiefte ihr Wissen in Kursen bei Willi Siber, Jupp Linssen, Susanne Neuner, Ulrike Kirbach, Wolfgang Follmer und weiteren Künstlerinnen und Künstlern. 2011 eröffnete sie ihr eigenes Atelier. Sie lebt und arbeitet in Bad Saulgau in Oberschwaben.
Ihre Werke waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im süddeutschen Raum und in der Schweiz zu sehen. Zuletzt wurden ihre Werke im Kunstmuseum Heidenheim sowie in der Galerie Bodenseekreis in Meersburg präsentiert, wo 2025 die Ausstellung „Aus einer anderen Welt“ mit begleitendem Katalog erschien.
Heike Feddern – Fragmente einer verlorenen Welt
Heike Feddern, 1963 in Gelsenkirchen-Buer geboren, schöpft ihre eigenwillig-fantasievollen Bildideen aus dem reichen Schatz der Mythen und Märchen. Ihre Werke greifen die Zeichen der Veränderungen auf und übersetzen die Realität in surreale Kompositionen, die beim genauen Hinsehen eine leise Irritation offenbaren. Ihre Werke klagen nicht an, doch sie stimmen nachdenklich. Sie zeigen den unwiederbringlichen Verlust einst liebgewonnener, selbstverständlicher Dinge.
Nach ihrem Studium des Kommunikations-Designs an der Fachhochschule Dortmund mit dem Schwerpunkt Malerei und Illustration bei Prof. Pitt Moog schloss sie 1993 als Diplom-Designerin ab und ist seither freischaffend tätig.
Für ihr künstlerisches Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet: 1999 mit einem Stipendium der Stadt Gelsenkirchen, 2020 mit einem Förderstipendium des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie einem weiteren Stipendium der Stadt Gelsenkirchen und der Stiftung der Sparkasse Gelsenkirchen.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im Museum des Landkreises Waldshut Schloss Bonndorf, im Museum Gelsenkirchen-Buer, in der Galerie im Kunsthof Halberstadt, in der Rathausgalerie Aalen sowie beim Kunstverein Süd-Sauerland in Olpe.
Lilli Hill – Sinnlichkeit als Widerstand
Lilli Hill, geboren 1976 in Kasachstan, setzt mit ihren barock-sinnlichen Frauenkörpern ein kraftvolles Zeichen gegen gängige Schönheitsnormen. Ihre Malerei feiert weibliche Körperlichkeit in all ihrer Opulenz, Eigenwilligkeit und Selbstbestimmtheit – eine lustvolle Gegenästhetik, die mit ihrer expressiven Bildsprache und der bewussten Überhöhung des Weiblichen provoziert und nicht zuletzt befreiend wirkt.
Die Künstlerin absolvierte zunächst eine private Ausbildung im Atelier von Konstantin Otapka, bevor sie 1993 nach Deutschland übersiedelte. Von 2003 bis 2007 studierte sie Malerei bei Prof. Jürgen Störr sowie Grafik, Kunstgeschichte und Philosophie an der Bergischen Universität Wuppertal. Heute lebt und arbeitet sie in der Schweiz.
Lilli Hill wurde unter anderem mit dem ART.AWARD 08 (Sonderausstellung auf der ART.FAIR 21 Köln). Ihre Werke sind regelmäßig in renommierten Museen und Kunstvereinen im In- und Ausland zu sehen, darunter das Osthaus-Museum Hagen, das Kallmann-Museum Ismaning, die Zitadelle Spandau Berlin, der Kunstverein Eisenturm Mainz und das Stadtmuseum Düsseldorf.
Juliane Hundertmark – Zwischen Groteske und Albtraum
Juliane Hundertmark, geboren 1971 in Mainz, ist eine Meisterin des schwarzen Humors und zugleich ätzende Kritikerin unserer Gesellschaft. In ihren Werken verbinden sich klassische Malerei, Collage und Elemente aus Comic und Street Art zu einer ganz eigenen komplexen Bildsprache. Bizarre Wesen, teils deformiert, teils nur halbfertig gezeichnet, scheinen direkt unseren (Alb-)träumen entsprungen und präsentieren sich in Situationen von grotesker Komik.
Nach ihrer Ausbildung in Formgebung und Plastik am Johann-Friedrich Böttger Institut in Selb studierte sie Design und Bühnenbild in Bayreuth sowie Freie Malerei und Grafik an der Kunstakademie Nürnberg, wo sie als Meisterschülerin abschloss. Seit 2006 lebt und arbeitet sie als freie Künstlerin in Berlin.
Juliane Hundertmark wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Designpreis Dall Opera München (1994), dem Großen Preis der Sparkassen Stiftung Nürnberg (2000), dem Preis der Messe für junge Kunst Leipzig (2000) und dem Preis des Kunstvereins Bayreuth (2004).
Ihre Werke wurden international ausgestellt, zuletzt 2023 in der Einzelausstellung „Theatre of Life“ in der Städtischen Galerie Ehingen, in der Asia Solo Show „Fairy Tales“ in Taiwan sowie 2024 in der Solo Show „After the rain“ in der Karlskaserne Ludwigsburg in Kooperation mit Schacher, Raum für Kunst, Stuttgart.
Ewa Kwasniewska – Die Bühne des Unsichtbaren
Ewa Kwasniewska, geboren 1956 in Stargard bei Stettin, erschafft in ihrer Malerei Bildwelten, die sich von der alltäglichen Realität abheben und ein eigenes, poetisches Leben entfalten. Ihre Werke sind geprägt von Landschaften, Figuren, Porträts, Interieurs und Stillleben, die dem Betrachter mit den Mitteln des magischen Realismus einen Zugang zu verborgenen, unsichtbaren Wirklichkeiten eröffnen. Häufig gestaltet sie ihre Kompositionen in Trompe-l’œil-Manier: Der Blick wird in eine imaginäre Bühne hineingezogen, in der die Realität zur Illusion wird. Dabei überzeugt ihre Maltechnik durch eine altmeisterliche Präzision – sowohl in der perspektivischen Anlage als auch in der Komposition und Farbgebung.
Nach einer Qualifikation zur Industriedesignerin in Kattowitz begann Ewa Kwasniewska 1978 ihr Studium an der Abteilung Kattowitz der Akademie der Schönen Künste Krakau, das sie bis 1981 in der Meisterklasse von Prof. Jerzy Duda-Gracz absolvierte. Im selben Jahr übersiedelte sie nach Deutschland und setzte ihre Ausbildung in Kommunikationsdesign an der Universität Essen fort. 1994 schloss sie das Studium mit dem Examen zur Diplom-Designerin ab.
Seit 1982 arbeitet sie als freischaffende Malerin in Essen, wo sie 1999 eine Malschule für Erwachsene gründete. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Polen, Deutschland und den USA gezeigt.
Bettina Moras – Malerei als gelebte Erfahrung
Bettina Moras, geboren 1975 in Sachsen/Freiberg, dokumentiert in ihren expressiv-pastosen Bildern sich selbst und ihre nähere Umwelt. Ihre Werke zeichnen sich durch eine kraftvolle Farbgebung und eine unmittelbare, emotionale Bildsprache aus. Ein zentrales Thema ihrer Arbeiten ist das Frau- und Muttersein – als intime, existenzielle Erfahrung zwischen Fürsorge, Verletzlichkeit und innerer Stärke.
Der künstlerische Werdegang von Bettina Moras begann mit einem Magisterstudium der Romanistik, Germanistik und Geschichte an der TU Dresden (1994–1999), ergänzt durch Studienaufenthalte in Pisa und Grenoble, wo sie auch ein Zeichen- und Aktstudium an der École des Beaux Arts absolvierte. Es folgten intensive Jahre an der Accademia di Belle Arti di Roma in der Malklasse von Prof. Andrea Volo sowie ein Studienaufenthalt an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Ralf Kerbach. Seit ihrem Diplomabschluss an der Accademia di Belle Arti di Roma 2006 lebt und arbeitet sie in Berlin.
2009 wurde sie mit dem Kunstförderpreis der Stadt Freiberg (Sachsen) ausgezeichnet und erhielt ein Arbeitsstipendium für „Pleinair Landschaftsmalerei“ im Jagdschloss Prillwitz. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem in Galerien in Italien, München, Dresden, Duisburg, Berlin, Potsdam und Hagen.
Petra Müller – ungebügelte Rollenbilder
Petra Müller geboren 1968 in Dernbach/ Ww, Fotografin und Künstlerin aus Duisburg, begann ihren künstlerischen Werdegang mit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Fotografie als Mittel der Beobachtung und Dokumentation. Schon während ihres Studiums der Kunst an der Universität Duisburg richtete sie ihren Blick auf urbane Strukturen und den Alltag im Ruhrgebiet, der bis heute ein zentrales Thema ihrer Arbeit geblieben ist. Im Laufe der Zeit entwickelte sie daraus eine zunehmend künstlerische und experimentelle Bildsprache, in der dokumentarische Elemente mit subjektiven und konzeptionellen Ansätzen verschmelzen.
Ein wichtiger Meilenstein in ihrem Schaffen ist das Projekt „Nix.Waschfrauentach“, in dem sie sich mit Orten, Erinnerungen und sozialen Spuren im Stadtraum auseinandersetzt. Dabei verbindet sie eine poetische Bildästhetik mit einem satirischen Blick auf den Alltag im Ruhrgebiet und hinterfragt gewohnte Perspektiven auf scheinbar Vertrautes.
In den folgenden Jahren zeigte Petra Müller ihre Arbeiten in verschiedenen Ausstellungen und Präsentationen und schärfte dabei kontinuierlich ihr künstlerisches Profil. Heute steht ihr Werk für eine eigenständige fotografische Position, die das Zusammenspiel von Ort, Geschichte und persönlicher Wahrnehmung in den Mittelpunkt stellt.
Ihre Arbeiten zeigt sie in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen, Projekte wie „Nix.Waschfrauentach“ und „Frauen zeigen Gesicht“ unter der Schirmherrschaft der damaligen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas waren unter anderem in der cubus kunsthalle duisburg und beim LVR in Köln zu sehen.
Quelle: cubus kunsthalle duisburg
Photos: © MMB/Below

