Am Samstag, den 23. Mai wird für das Finale im Niederrheinpokal zwischen dem MSV Duisburg und dem SC St. Tönis 11/20 zum ultimativen Charaktertest nach dem dramatisch verpassten Zweitliga-Aufstieg. Nur eine Woche nach dem traumatischen Saisonausklang in der 3. Liga, bei dem ein unglückliches Remis gegen Viktoria Köln alle Träume von der Relegation zerstörte, fordert Trainer Dietmar Hirsch im heimischen Stadion absolute Professionalität.
Während der Außenseiter aus der Oberliga Niederrhein befreit aufspielen kann, geht es für den MSV um Schadensbegrenzung für die Seele. Zwischen sportlicher Depression und Pflichtbewusstsein. Die Wunden an der Wedau sind tief, die emotionale Hypothek dieses Pokalendspiels ist riesig.
Am vergangenen Samstag trennte sich der MSV Duisburg in einem an Dramatik kaum zu überbietenden Ligafinale mit einem unglücklichen 1:1 von Viktoria Köln. Ein einziger Zentimeter entschied über das Schicksal des Traditionsvereins. In der siebten Minute der Nachspielzeit spielte Mittelfeldmotor Rasim Bulic den Ball aus kurzer Distanz an den Innenpfosten – das sichere Tor zum Erreichen des Relegationsplatzes blieb den Duisburgern damit verwehrt.
Da der Konkurrent Rot-Weiss Essen parallel in Ulm siegte, rutschte der MSV auf den undankbaren vierten Tabellenplatz ab. Der verpasste direkte Wiederaufstieg beziehungsweise der Last-Minute-Verlust des Relegationsplatzes zur 2.Bundesliga wiegt schwer. Das Remis gegen Viktoria Köln fühlte sich aufgrund einer verweigerten Elfmetersituation in der ersten Halbzeit und der drückenden Überlegenheit in der Schlussphase zutiefst ungerecht an.
Die emotionale Achterbahnfahrt der vergangenen Tage spiegelt sich auch in den internen Analysen wider. Trainer Dietmar Hirsch bemühte sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff um Fassung.
„Der Fußball ist manchmal brutal und heute schmerzhaft ungerecht. Wir haben alles auf dem Platz gelassen, die Jungs haben bis zur letzten Sekunde gefightet. Dass uns am Ende Millimeter zur Relegation fehlen und ein regulärer Treffer oder Pfiff ausbleibt, bricht uns das Herz. Aber wir dürfen jetzt nicht aufgeben – wir haben eine Pflicht gegenüber unseren Fans und diesem Verein.“
– konnte Trainer Dietmar „Didi“ Hirsch seine Enttäuschung nicht verbergen.
Besonders tragisch verlief der Nachmittag für Rasim Bulic, dessen Aluminiumtreffer das Sinnbild des Duisburger Pechs wurde: „Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Dieser Ball muss einfach reingehen. Es fühlt sich unendlich leer und unglücklich an, die Verantwortung für diesen verpassten Moment zu tragen. Wir standen so kurz vor dem Ziel. Jetzt müssen wir den Kopf irgendwie hochbekommen, auch wenn es verdammt wehtut.“
Der Gegner im Niederrheinpokal-Finale
Der SC St. Tönis 11/20 vom Niederrhein wittert die historische Chance. Der Oberligist qualifizierte sich im März über ein dramatisches Elfmeterschießen gegen den FC Büderich für dieses Finale. Da der MSV Duisburg die Drittliga-Saison trotz des verpassten Aufstiegs auf Platz vier beendete, ist Duisburg bereits sicher über die Liga für den DFB-Pokal qualifiziert und darf sich auf garantierte Einnahmen im sechsstelligen Bereich freuen.
Normalerweise erhält nur der Sieger des Niederrheinpokals das Ticket für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. In dieser Saison kommt es jedoch zu einer Besonderheit. Der MSV hat sich bereits über die Platzierung in der 3. Liga (Tabellenplatz 4) auf direktem Wege für den DFB-Pokal qualifiziert. Dadurch rückt der Finalgegner – unabhängig vom Ausgang des Endspiels – automatisch nach.
Wer holt in diesem Jahr den Pokal?
Die Mannschaft aus Tönisvorst reist ohne jeglichen Druck nach Duisburg. Sie wird versuchen, die psychologische Verwundbarkeit des großen Favoriten zu nutzen und sich die Krone des Verbandspokals aufzusetzen. Taktisch wird Hirsch sein Team vor allem mental aufrichten müssen. Rein sportlich trennen beide Kader Welten. Der MSV wird die Spielkontrolle übernehmen und versuchen, ein frühes Tor zu erzielen, um die aufkommenden Zweifel im Keim zu ersticken. Sollte St. Tönis das Spiel jedoch lange offenhalten, könnte die Duisburger Nervosität zu einem entscheidenden Faktor werden. Es ist ein Spiel, in dem der MSV Duisburg sportlich nur verlieren kann – ein Titelgewinn ist Pflicht, um zumindest einen versöhnlichen, wenn auch schwachen Trostpreis zum Saisonabschluss zu verbuchen.
Autor: Duisburg-Journal (tme)
Photos: © MMB/Below

