Die Duisburger Hardrock-Tributeband „D-Purple“ hat bei den „Ruhrorter Campusabenden“ auf dem Haniel Campus ein exklusives Akustik-Set gespielt und einige der legendären Welthits von Deep Purple völlig neu interpretiert.
Wer jedoch bei Deep-Purple-Interpretationen das gewohnte, gewaltige Fundament einer übersteuerten Hammond-Orgel und massive Marshall-Wände erwartete, sah sich auf angenehme Weise überrascht.

Das Besondere dieses Konzertabends lag im radikalen Verzicht auf die üblichen und stilprägenden E-Gitarren sowie der fauchende Leslie-Effekt der typischen John Lord-Hammond-Orgel. Stattdessen setzten die Duisburger Musiker ganz auf den hölzernen, bluesigen Charakter reiner Akustikinstrumente. Das zwang die Band zu maximaler Präzision und gab den komplexen Kompositionen ungeahnten Raum zum Atmen. Wo sonst die schiere Lautstärke dominiert, traten nun feine rhythmische Nuancen, virtuoses Fingerpicking und die melodische Kernsubstanz der Songs in den Vordergrund.

Die musikalischen Besonderheiten im neuen Gewand
Für das Publikum – eine gelungene Mischung aus eingefleischten 60+ Rock-Liebhabern und Musikinteressierten – wurde die Performance so zu einer packenden Entdeckungsreise. Die dargebotene Setlist spiegelte nur einen kleinen Teil des enormen Deep-Purple-Kosmos wider:
Jeder dieser Meilensteine brachte in der akustischen Version eigene Qualitäten hervor. Das treibende Riff von Demon’s Eye entwickelte ohne Strom einen fast schon intimen, bluesigen Groove.

Die sonst von Tempo und Verzerrung lebenden Stücke Fireball und Speed King mutierten zu rhythmischen Meisterleistungen, bei denen die akustische Gitarre perkussiv und extrem druckvoll die Dynamik bestimmte.

Bei der epischen Ballade When a Blind Man Cries sorgte das reduzierte Instrumentarium für eine hochempathische, fast greifbare Melancholie, die das Publikum sichtlich berührte.
Das absolute Highlight bildete jedoch das Monumentalwerk Child in Time (in leicht verkürzter Variante): Das weltberühmte, filigrane Orgel-Intro wurde kunstvoll auf einer klassischen Konzertgitarre nachempfunden. Der dramatische Spannungsaufbau des Songs funktionierte im Akustik-Gewand par excellence und bewies die zeitlose kompositorische Klasse des Originals.

Zum Finale durfte das legendäre, wohl bekannteste Riff der Rockgeschichte bei Smoke on the Water sowie ein weiterer Klassiker Hush als Zugabe natürlich nicht fehlen – begeistert und textsicher vom 60+ Publikum im Chor mitgesungen. Insgesamt eine gelungene Festival-Performance im neuen Gewand.
SETLIST:
- Anya
- Soldier of Fortune
- Demon’s Eye
- Fireball
- Into the Fire
- Speed King
- When a Blind Man Cries
- Woman from Tokyo
- Bloodsucker
- Child in Time
- Smoke on the Water
- Hush (Zugabe)
LINE UP:
Martin Noell, vocals
Frank Rüttger – keyboards
Guido Lersen – bass
Sigi Heinzen – Drums
Bernd Stolle – guitars
Das neugegründete Festival, kuratiert von Uwe Muth, unterstreicht damit seinen Anspruch, die oft starren Grenzen zwischen populärer Unterhaltung und intellektuellem Kulturgenuss aufzubrechen. Dieser kuratorische Faden zieht sich konsequent durch die kommenden Wochen. Ein Ausblick auf die kommenden Campusabende verspricht weitere stringente Kontrapunkte.
Duisburger und auswärtige Kulturfans dürfen sich in den kommenden Tagen auf weitere Highlights freuen: Das Festivalprogramm der „Ruhrorter Campusabende“ auf dem Haniel Campus bietet bis zum 26. Juli 2026 noch einen abwechslungsreichen Mix aus Kabarett, Komödien und Konzerten, darunter das schwarzhumorige Kriminal-Live-Hörspiel „Achtsam Morden“ sowie exquisites Musikkabarett. Ein Besuch in Ruhrort lohnt sich in diesem Kultursommer allemal.
Quelle: Duisburg-Journal
Photos: © MMB/Below
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