Der Knoten ist geplatzt, und mit ihm weicht die erste leise Skepsis rund um das neue Projekt des Bundestrainers. Beim 2:0-Erfolg gegen Serbien feierte Jürgen Klopp im dritten Anlauf seinen Premierensieg und bescherte der Nationalmannschaft einen verdienten Befreiungsschlag in der UEFA Nations League. In einer von personellen Experimenten geprägten Partie in der Allianz Arena dominierte eine runderneuerte DFB-Auswahl den Gegner phasenweise nach Belieben, sündigte jedoch lange bei der Chancenverwertung.
Am Ende stand ein hochverdienter Erfolg, der vor allem durch die Unbekümmertheit der jungen Wilden getragen wurde.

Intensives Gegenpressing und die Suche nach der Lücke
Klopp überraschte die Experten vor dem Anpfiff mit einer radikalen Startelf-Rotation aus seinem riesigen Spieler-Pool. Mit Jonas Urbig im Tor und Derry Scherhant auf dem Flügel standen zwei komplette Neulinge von Beginn an auf dem Rasen. Der taktische Plan war von der ersten Sekunde an sichtbar: Ein extrem hohes Pressing, bei dem die serbische Dreierkette früh unter Druck gesetzt wurde, um schnelle Ballgewinne zu erzwingen. Das funktionierte im Mittelfeld durch die aggressive Zweikampfführung von Aleksandar Pavlović hervorragend. Was in der ersten halben Stunde jedoch fehlte, war die letzte Präzision im Drittel vor dem gegnerischen Tor. Nick Woltemade rieb sich als Wandspieler auf, ließ im Abschluss aber das nötige Schussglück vermissen. Serbien verteidigte tief, kompakt und lauerte ausschließlich auf Konter, die von der deutschen Restverteidigung um Waldemar Anton meist frühzeitig abgelaufen wurden.

Der Dosenöffner vor der Pause und der historische Moment
Die Erlösung folgte in der 39. Minute und war bezeichnend für den neuen Geist im Team. Tom Bischof belohnte die deutsche Überlegenheit, als er nach einer feinen Kombination über die linke Seite zum hochverdienten 1:0 einschoss. Zur Halbzeit musste Mannschaftskapitän Serge Gnabry, der das Team aufs Feld geführt hatte, angeschlagen in der Kabine bleiben. Für ihn kam Saïd El Mala, der die Schlagzahl über die Flügel sofort hochhielt. Den spielentscheidenden Wendepunkt markierte das 2:0 in der 61. Minute: Florian Wirtz, der nach Gnabrys Auswechslung die Kapitänsbinde übernommen hatte, krönte seine starke Leistung mit einem überlegten Abschluss im Strafraum. In der Schlussphase schrieb das Spiel dann noch ein Stück Verbandsgeschichte, als der eingewechselte Mika Baur als exakt 1000. Debütant in der Historie der deutschen Nationalmannschaft den Rasen betrat.

Wirtz als Dreh- und Angelpunkt gegen serbische Härte
In der tieferen Analyse stach vor allem Florian Wirtz heraus, der das Spiel im letzten Drittel fast nach Belieben diktierte und von den serbischen Defensivspielern oft nur durch Foulspiele zu stoppen war. Zusammen mit dem agilen Bischof bildete er ein kreatives Zentrum, das die Abwesenheit etablierter Kräfte vergessen ließ. Trotz der statistisch drückenden Überlegenheit von 16:0 Torschüssen im ersten Durchgang offenbarte die DFB-Elf jedoch ein altbekanntes strukturelles Problem: die Chancenverwertung im Sturmzentrum. Einzig der VAR verhinderte mit zwei korrekten Entscheidungen bei Abseitsstellungen, dass das Ergebnis noch deutlicher ausfiel. Serbiens Härte in den Zweikämpfen führte in der zweiten Halbzeit zu Recht zu Verwarnungen für Gudelj und Maksimović, echte Torgefahr strahlten die Gäste über die gesamten 90 Minuten nicht aus.
„Ich bin super happy, das hat totalen Spaß gemacht“,
– bilanzierte ein sichtlich erleichterter Jürgen Klopp nach dem Abpfiff am ZDF-Mikrofon.
SAISON 2026-2028, UEFA NATIONS LEAGUE A – Gruppe 2:
Spieltag 3
Deutschland: Urbig – Treu, Anton, Thiaw, Mittelstädt – Bischof (77. Baur), Pavlović (88. Janelt), Wirtz – Scherhant (Conté), Woltemade (76. Burkardt), Gnabry (77. El Mala).
Trainer: Jürgen Klopp
Serbien: Petrovic – Babic, Gudelj, Erakovic (66. Pavlovic), Nedeljkovic – Kostic, Dzodic (67. Cvetkovic), Maksimovic (88. Kostov), Zivkovic (67. Samardzic) – Jovic, Tadic (67. Lukic).
Trainer: Veljko Paunovic
Schiri: Espen Eskas (NOR)
Stadion: Allianz-Arena, München
Zuschauer: 68.121
ENDERGEBNIS 2:0 (1:0) | 1:0 Tom Bischoff (39.) – 2:0 Florian Wirtz (61.)
Die Revanche in Thessaloniki steht an
Viel Zeit zum Feiern bleibt dem Bundestrainer und seiner Mannschaft nicht. Bereits am kommenden Donnerstag, den 04.10.2026, wartet in der Gruppe A2 die nächste anspruchsvolle Aufgabe in der Nations League. Deutschland tritt auswärts gegen Griechenland an. Nach der bitteren 0:1-Heimniederlage im Hinspiel in Augsburg brennt die Auswahl auf Wiedergutmachung. Gegen die kompakt stehenden Griechen, deren physische Spielweise der Mannschaft schon im ersten Duell den Zahn zog, wird es vor allem auf die spielerische Leichtigkeit ankommen, die man gegen Serbien phasenweise aufblitzen ließ.
Quelle: Duisburg-Journal
Photos: © Horst Mauelshagen/pepphoto, © Sascha Weiz/pepphoto
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