Ein frühherbstlicher Abend, tausende begeisterte Menschen auf dem dicht gedrängten Opernplatz und ein funkelndes Meer aus Musik: Am vergangenen Freitagabend feierte Duisburg mit dem 7. Haniel Klassik Open Air den fulminanten Start in die neue Kultur- und Opernsaison.
Was die Deutsche Oper am Rhein, die Duisburger Philharmoniker und das Traditionsunternehmen Haniel hier „umsonst und draußen“ auf die Beine stellten, war weit mehr als ein bloßes Vorgeschmack-Konzert – es war ein Fest der musikalischen Exzellenz und der gesellschaftlichen Vielfalt.

Ein Einstand nach Maß am Dirigentenpult
Gleich in doppelter Hinsicht stand der Abend im Zeichen des Aufbruchs. Am Dirigentenpult feierte Stefan Blunier seinen umjubelten Einstand als neuer Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker. Mit der spritzigen, rhythmisch messerscharf artikulierten Ouvertüre zu Bedřich Smetanas „Die verkaufte Braut“ setzte Blunier direkt zu Beginn ein unüberhörbares Ausrufezeichen. Das Orchester folgte seinem packenden Zugriff mit spürbarer Spielfreude, brillant abgemischt und plastisch über die Lautsprecher bis in die hinteren Reihen der Königstraße getragen. Durch das vielschichtige Programm führte gewohnt souverän und mit musikwissenschaftlichem Feinsinn Götz Alsmann, der mit seinem unnachahmlichen, eleganten Witz die Brücken zwischen klassischem Kernrepertoire und modernen Klangwelten schlug.
Vokalistisches Feuerwerk unter freiem Himmel
Und dieses Repertoire hatte es in sich, insbesondere im italienischen Fach. Das Stimmensemble der Deutschen Oper am Rhein lief unter freiem Himmel zu absoluter Hochform auf. Mezzosopranistin Sarah Ferede faszinierte im Schleierlied aus Verdis „Don Carlos“ mit perlenden Koloraturen und darstellerischer Eleganz. Zu einem akustischen Vulkanausbruch geriet das dramatische Duett aus „Die Macht des Schicksals“: Tenor Eduardo Aladrén und Bariton Alexey Zelenkov lieferten sich ein vokalistisches Duell der Extraklasse, das die Mikrofone spürbar an ihre Grenzen trieb und für die ersten frenetischen Bravorufe des Abends sorgte. Auch Luiza Fatyol überzeugte mit tiefem emotionalen Feuer als Leonora in Ausschnitten aus „Il Trovatore“.




Eine Brücke zwischen den Kulturen
Der emotionale und konzeptionelle Höhepunkt des Abends lag jedoch in einem ganz besonderen Akzent, der die DNA der Stadt Duisburg perfekt widerspiegelte. Mit der Aufführung von „Der Träger des Lichts (The Bearers of Light)“ bewiesen die Philharmoniker Mut zur Moderne und zur kulturellen Öffnung. Das Werk des Monheimer Komponisten und Community Music Artists Koray Berat Sari verwebt traditionelle anatolische Klänge mit westlicher Orchestrierung.



Als die niederländisch-türkische Sängerin Karsu Dönmez die Bühne betrat und mit ihrer tiefen, gefühlvollen Stimme die teils kurdischen und türkischen Texte interpretierte – meisterhaft flankiert von flinken Oud- und Saz-Melodien sowie der hypnotischen Kettentrommel vom Multi-Percussionisten Syavash Rastani –, hielt der Platz den Atem an. Ein zutiefst berührender Moment der Völkerverständigung, den das Duisburger Publikum folgerichtig mit stehenden Ovationen feierte.
Begeisterung in den Zuschauerreihen: Das sagt das Publikum
Wie tief die Begeisterung in der Stadt verwurzelt ist, zeigte sich beim Blick in die Gesichter der Zuhörer. Auf den vollbesetzten Stuhlreihen und den dicht gedrängten Stehplätzen bis zur Königstraße herrschte eine geradezu familiäre, aber hochkonzentrierte Festspiel-Atmosphäre.

„Dass man Musik auf diesem Niveau völlig unkompliziert und kostenlos erleben kann, macht Duisburg so schnell niemand nach“,
– schwärmte eine sichtlich bewegte Besucherin aus Wanheimerort in der Pause.
Besonders die interkulturelle Öffnung des Programms traf den Nerv der Stadtgemeinschaft. Ein junger Duisburger mit türkischen Wurzeln fasste die Stimmung nach dem Auftritt von Karsu Dönmez treffend zusammen: „Klassik trifft meine familiäre Heimat – als das Orchester die anatolischen Melodien spielte, hatte ich Gänsehaut. Genau das ist mein Duisburg!“
Auch der Einstand des neuen GMD wurde vom Publikum aufmerksam registriert. „Blunier hat spürbar Energie, der reißt das Orchester richtig mit“, bilanzierte ein langjähriger Philharmoniker-Abonnent anerkennend.

Von Broadway-Leichtigkeit bis zum Hollywood-Finale
Dass die Kultur auch Leichtigkeit kann, zeigten die beschwingten Musical-Ausblicke auf die kommende Inszenierung von „My Fair Lady“ durch Sopranistin Anna-Sophia Theil und Tenor Henry Ross. Nach einem dichten, packenden Programm verabschiedeten sich Stefan Blunier und die Philharmoniker schließlich mit einem schwelgerischen Querschnitt aus der Filmmusik zu „Die glorreichen Sieben“.

Dieses 7. Haniel Klassik Open Air hat bewiesen: Duisburgs Kulturlandschaft ist lebendig, nahbar und von internationalem Niveau. Ein Saisonauftakt nach Maß, der große Lust auf die kommenden Abende im Opernhaus macht.
Quelle: Duisburg-Journal
Photos: © MMB/Below
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