Es ist ein ambitioniertes Wagnis, die postindustrielle Kulisse des Haniel Campus in eine Freiluftbühne bürgerlichen Amusements zu verwandeln, doch die Premiere der allerersten „Ruhrorter Campusabende“ bewies das feine Gespür der Initiatoren für die hiesige Kulturtopografie.

Vor der historisierenden Fassade des Mutterhauses entfaltete sich ein Format, das den Spagat zwischen intimer Salonatmosphäre und populistischer Wucht meisterte. Den intellektuellen wie emotionalen Resonanzboden für dieses neue Festivalglanzlicht zog kein Geringerer als Wolfgang Trepper. Für den gebürtigen Duisburger geriet die Eröffnungsveranstaltung zu einem formidablen Heimspiel. Es war der erste Duisburger Auftritt des Lokalmatadors mit seinem aktuellen Programm – ein Umstand, der dem Abend eine spürbare Exklusivität und emotionale Dichte verlieh – und mit immer tagesaktuellem Bezug!

Trepper, der die satirische Dekonstruktion des Alltäglichen meisterhaft beherrscht, gerierte sich keineswegs als nostalgischer Rückkehrer, sondern als scharfzüngiger Chronist der Gegenwart. Seine Ästhetik speist sich aus dem permanenten Kontrapunkt: Er oszillierte virtuos zwischen brachialer, bisweilen bitterböser Provokation und Momenten von entwaffnender, humanistischer Zartheit. Das Duisburger und auswärtige (!) Publikum sezierte er gekonnt mit der analytischen Präzision eines Chirurgen und der tiefen Empathie des Kenners. Seine rhetorischen Spitzen gegen Politik, gesellschaftliche Befindlichkeiten und Lokalsportliches trafen voll ins Schwarze, abgefedert durch jenen typischen Ruhrgebiets-Humor, der Pathos im Keim erstickt.

Künstlerischer Leiter Uwe Muth verankerte hier ein Konzept, das unter dem Postulat der vier großen „K“ firmiert: Kabarett, Komödie, Konzerte und Kindertheater.
„Wir freuen uns, mit diesem neuen Festival die Kulturlandschaft im Ruhrgebiet zu bereichern“. Mit einem kleinen Augenzwinkern fügte er auf die unkonventionelle Location-Wahl hinzu: „Und da wird dann das Publikum in dem ehemaligen Brunnen sitzen und wir werden da ein tolles Programm präsentieren“.
– so der künstlerische Leiter der Campusabende Uwe Muth. Er verwies damit auf die bewusste Symbiose aus Kulisse und Programm. Womit er gleichzeitig auch das Ziel unterstrich, gezielt für mehr Leichtigkeit zu sorgen und den Stadtteil Ruhrort nachhaltig zu beleben.

Ein programmatischer Ausblick auf die kommenden Campusabende verspricht ein bemerkenswert dichtes Geflecht darstellerischer Kunstformen:
Schon am heutigen Freitag bricht das Sinfonieorchester Ruhr (03.07.) mit klassischer Hochkultur die humoristische Phalanx auf, während im weiteren Verlauf hochkarätige Kollegen wie Kai Magnus Sting (11.07.) oder das Duo René Steinberg und Doc Esser (17.07.) intellektuelles Infotainment versprechen. Auch literarisch-theatrale Grenzgänge wie das Live-Hörspiel „Achtsam Morden“ (10. + 19.07.) oder die popkulturelle Demontage im Schlagertheater „Haui“ (25.07.) zeigen, dass Festivalleiter Uwe Muth auf stilistische Diversität setzt. (Weitere Termine, siehe auch unseren Veranstaltungskalender↑)
Die „Ruhrorter Campusabende“ haben bereits an Tag eins bewiesen, dass sie mehr sein wollen als bloße Sommerbespaßung. Sie sind ein soziokultureller Ankerpunkt im urbanen Raum, der den Stadtteil Ruhrort um eine wertvolle, profilierte Facette bereichert. Interessierte an dieser neuen Ruhrorter Kulturlocation und dem ausgewogenem Programm-Mix sollten mindestens einmal hier gewesen sein!
Quelle: Duisburg-Jornal (red)
Photos: © MMB/Below

