Die vitale Kultur des Elvis-Tributes ist um eine Facette reicher. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum widmet sich das Ensemble The Sundial Boys der anspruchsvollen Aufgabe, das Erbe des „King of Rock ’n’ Roll“ in ein rein akustisches Gewand zu kleiden.
Die Debüt-CD von THE SUNDIAL BOYS führt uns durch die verschiedenen Epochen von Elvis Presleys Karriere. Die klug gewählte Tracklist balanciert gekonnt zwischen den wilden Rockabilly-Anfängen und den opulenten Las-Vegas-Jahren. Jedes Stück gewinnt durch das reduzierte Unplugged-Gewand an Transparenz und emotionaler Tiefe.
Reduktion als künstlerisches Prinzip
Das Album umfasst insgesamt zehn Titel. Die Arrangements verzichten konsequent auf das gewohnte Bombast-Fundament aus Bläsersätzen und opulenten Streichern. Stattdessen setzt die Formation auf die Intimität klassischer Unplugged-Formate. Ein besonderer dramaturgischer Kniff des Albums liegt in seiner Struktur. Neben acht akribisch ausbalancierten Studio-Aufnahmen schließt das Werk mit zwei Live-Titeln.
Hier die Track-by-Track Einzelkritik der 10 Titel auf dem Album
1. That’s All Right (Mama)
Das Album startet mit der Geburtsstunde des Rock ’n’ Roll. Das Trio reduziert die einstige Sun-Records-Dynamik auf zwei Akustikgitarren. Teddy Kings Gesang fängt die jugendliche Leichtigkeit des Originals von 1954 perfekt ein, während das reduzierte Arrangement den Fokus ganz auf den treibenden Rhythmus lenkt.
2. Don’t Be Cruel
Hier zeigt das Duo Coincidence seine harmonische Klasse. Der federnde Rhythmus des Klassikers wird durch das präzise Zusammenspiel der Instrumente elegant aufgefangen. Ein wunderbar unaufgeregtes, aber hochgradig rhythmisches Stück, das durch seine Schlichtheit besticht.
3. Can’t Help Falling In Love (Father & Son Version)
Der emotionale Höhepunkt der Studio-Hälfte. Die Interpretation als „Father & Son Version“ verleiht der weltberühmten Ballade eine völlig neue, tiefgreifende Bedeutungsebene. Der generationenübergreifende Gesang von Teddy Kings Vater und ihm sorgt für Gänsehaut und macht den Titel zu einem ganz persönlichen Song.
4. Loving Arms
Diese oft unterschätzte Country-Ballade aus Presleys 1970er-Phase profitiert enorm vom Unplugged-Gewand. Das Arrangement lässt viel Raum für die Melancholie im Text. Teddy King glänzt hier mit einer warmen, verletzlichen Stimmfarbe im tiefen Register.
5. Burning Love
Ein gewagtes Experiment, einen so energetischen Rock-Titel akustisch zu spielen. Die Sundial Boys lösen dies über ein hohes Tempo und perkussives Gitarrenspiel. Der Song verliert dadurch nichts von seiner Urgewalt, gewinnt aber einen charmanten, fast folkigen Drive.
6. Little Cabin on the Hill
Eine Verneigung vor Elvis’ Bluegrass- und Gospel-Wurzeln. Das Stück bringt eine erdige, bodenständige Country-Atmosphäre auf das Album. Das Zusammenspiel wirkt gelassen, authentisch und zeigt die tiefe Verwurzelung der Musiker im traditionellen amerikanischen Songwriting.
7. Hurt
Dieses emotionale Schwergewicht, das Elvis 1976 berühmt interpretierte, verzeiht keine Fehler. Das Trio verzichtet komplett auf das dramatische Opern-Orchester des Originals. Die Dramatik entsteht hier rein durch die stimmliche Intensität und die dynamische Steigerung innerhalb des akustischen Rahmens.
8. My Way
Die Studio-Songs schließen mit der ultimativen Hymne. Die Reduktion auf das Wesentliche bricht den Pathos des Songs auf und legt den Fokus auf die pure Introspektive. Eine reife, handwerklich makellose Performance, die den Geist der späten Elvis-Jahre atmet.
9. Polk Salad Annie (Live)
Der erste von zwei Live-Tracks bringt die volle Konzert-Energie. Das Trio beweist, dass es auch ohne Bläsersatz und große Band ein rhythmisches Feuerwerk entfachen kann. Das von Gerold Breier gespielte Tap-Board treibt den Funk-Rock-Klassiker kompromisslos nach vorne – das Publikum geht hörbar mit.
10. Way Down (Live)
Der letzte Song, den Elvis zu Lebzeiten veröffentlichte, bildet den furiosen Abschluss. Als Live-Aufnahme entfaltet die Nummer eine ungeheure Spielfreude. Der stampfende Basslauf des Tribute-Trios wird virtuos auf die Gitarren übertragen. Ein würdiges, energetisches Finale für ein facettenreiches Debütalbum.
Diese Live-Dokumente brechen die kontrollierte Studio-Atmosphäre gezielt auf. Sie beweisen die uneingeschränkte Bühnentauglichkeit des Konzepts. Die Interaktion mit dem Publikum und das raue, ungeschönte Klangbild dieser zwei Stücke verleihen dem Tonträger eine spürbare Authentizität.
„The Sundial Boys – Elvis unplugged tribute“ ist – insgesamt gesehen – kein nostalgischer Aufguss. Es ist eine handwerklich fundierte Respektsbekundung an das Songwriting der Rock-’n’-Roll-Ära. Das Album empfiehlt sich sowohl für Puristen als auch für Hörer, die nach einer frischen Perspektive auf ein vertrautes Repertoire suchen.
Der Vertrieb des Tonträgers erfolgt im Sinne der Unabhängigkeit klassisch über den Eigenvertrieb direkt über das Bandmanagement zum Preis von 15,00 Euro (zzgl. Versandkosten).
Kontakt & Bestellung: info(at)marvinkrupp.de
„Elvis unplugged Tribute“, CD-Album, THE SUNDIAL BOYS, © 2026, TJAVA RECORDS
Teddy King (vocals)
Gerold „The Brain“ Beirer (acoustic guitar, backing-vocals, tapboard)
Johnny Murkovic (acoutic guitar, backing-vocals, harp)
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Autor: Duisburg-Journal
Photo: © MMB/Below

