Was haben Nashorn USONI, Silberrücken KIDOGO, Schimpansin YUMMA und die beiden Elefantenseniorinnen RHENA und MUMPTAS gemeinsam? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Und doch erzählen sie alle eine Geschichte darüber, was Tierwohl im Zoo bedeutet.
Manchmal heißt es „Mund auf“. Manchmal ist es eine Knobelkiste, die ein Tier zum Nachdenken bringt. Manchmal bedeutet es, Gehege für Senioren umzubauen. Und manchmal heißt es, nachts auf einer Pritsche im Elefantenhaus zu schlafen.
Bei den beiden alten Elefantendamen RHENA und MUMPTAS gehört eine besonders enge Begleitung zum Alltag. Beide Tiere werden als Seniorinnen individuell und engmaschig beobachtet.
„Insbesondere unsere alten Tiere brauchen eine individuelle, nahe Betreuung. Wenn es einer unserer Elefantendamen nicht gut geht, bleiben die Kollegen auch nachts auf einer Pritsche in ihrer Nähe“,
– sagt Direktorin und Zootierärztin Dr. Stefanie Markowski.
Tiermedizin beginnt dabei nicht erst, wenn ein Tier krank ist. Vorsorge, regelmäßige Gesundheitskontrollen und die genaue Beobachtung durch die Tierpfleger gehören genauso dazu wie Diagnostik und Behandlung. Oft sind es kleine Veränderungen im Verhalten, in der Bewegung oder beim Fressen, die wichtige Hinweise geben und den geschulten Tierpflegenden schnell auffallen.
Auch Gorilla KIDOGO kennt diese Zusammenarbeit. Beim Medical Training hat er gelernt, auf das Kommando „Open“ und das dazugehörige Handzeichen freiwillig seinen Mund zu öffnen. So können die Tierpflegenden im Alltag Zähne und Mundraum kontrollieren.

„Medical Training hilft uns, viele Gesundheitskontrollen ruhig und gemeinsam mit dem Tier durchzuführen. Kidogos „Mund auf“ ist dafür ein ganz einfaches, aber gutes Beispiel“,
– erklärt Xenia Schirrmeister, Kuratorin bei den Menschenaffen.
Und manchmal macht KIDOGO bei seiner Untersuchung eben auch ein bisschen Quatsch oder hat keine Lust. Auch das gehört dazu. Medical Training schafft Vertrauen und ermöglicht es, viele Untersuchungen gemeinsam mit dem Tier durchzuführen.
Zum Tierwohl gehört aber nicht nur die körperliche Gesundheit. Tiere brauchen Beschäftigung, Herausforderungen und die Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen auszuleben. Schimpansin YUMMA bekommt deshalb regelmäßig Aufgaben, bei denen sie selbst Lösungen finden muss. Bei einer Knobelkiste ist der begehrte Snack beispielsweise nicht einfach zugänglich. YUMMA muss herausfinden, wie sie an die Belohnung kommt.
Solche Beschäftigungen werden regelmäßig verändert und angepasst und bieten so immer wieder neue Herausforderungen.
Wie wichtig die Möglichkeit zum selbstbestimmten Rückzug ist, zeigt in Krefeld unter anderem der neue MenschenaffenWald. Bei seiner Planung standen wie immer die Bedürfnisse der Tiere im Mittelpunkt. Unterschiedliche Bereiche und zahlreiche Rückzugsmöglichkeiten geben den Bewohnern die Wahl, wo sie sich aufhalten möchten. Das bedeutet für Besucher manchmal auch: Ein Tier ist nicht zu sehen. Das gehört dazu. Denn Tierwohl bedeutet nicht, dass Tiere jederzeit für Menschen sichtbar sein müssen. Rückzug, Ruhe und die Möglichkeit, Abstand zu nehmen, gehören ebenso zu einer guten Haltung wie Beschäftigung und soziale Kontakte.
Die Verantwortung des Zoos endet nicht am Zoozaun. Nashorn USONI zeigt, wie weit die Geschichte eines einzelnen Tieres reichen kann. Er ist Vater, Großvater und Urgroßvater. Drei seiner Urenkel leben heute in der Natur Ruandas und tragen seine Gene. Über Generationen verbinden sich damit Tierhaltung, Zuchtmanagement und Artenschutz.

Auch direkt vor der eigenen Haustür engagiert sich der Zoo für den Schutz von Tieren. Seit Februar 2026 werden im Rahmen des Bündnisses Fledermausschutz Krefeld verletzte oder geschwächte Fledermäuse tiermedizinisch erstversorgt. Anschließend übernehmen erfahrene Fledermausschützer die weitere Pflege. Ziel ist, die Tiere zu stabilisieren und ihnen anschließend die Rückkehr in die Natur zu ermöglichen.
All diese Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Tierwohl im Alltag aussehen kann. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, zu beobachten, zu beschäftigen, zu trainieren, zu behandeln und individuell zu begleiten. Es bedeutet manchmal, eine neue Aufgabe für YUMMA zu entwickeln, KIDOGO um „Mund auf“ zu bitten oder nachts bei einer alten Elefantendame zu bleiben.

Im Zoo greifen Tierschutz und Artenschutz dabei ineinander. Die tägliche Arbeit mit dem einzelnen Tier schafft Wissen und Erfahrung, die zugleich dazu beitragen können, Tiere und Arten in der Natur zu schützen.
Zum Welttierschutztag am 4. Oktober macht der Zoo Krefeld sichtbar, was täglich im Hintergrund passiert: Tierwohl ist keine einzelne Maßnahme und kein Termin im Kalender. Es ist tägliche Arbeit, an 365 Tagen im Jahr.
Quelle: Zoo Krefeld
Photo: © Zoo Krefeld
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