Vier Astronauten an Bord des Artemis-II-Testflugs der NASA um den Mond schrieben am Ostermontag um 19:56 Uhr deutscher Zeit Geschichte, als sie sich 248.655 Meilen von der Erde entfernten und damit den bisherigen Rekord für die größte Entfernung in der bemannten Raumfahrt übertrafen, der 1970 von der Apollo-13-Mission aufgestellt worden war.
An ihrem entferntesten Punkt wird die Besatzung im Orion-Raumschiff etwa 252.760 Meilen zurückgelegt haben, bevor sie wieder in Richtung unseres Heimatplaneten zurückkehrt und damit den neuen Rekord für die bemannte Raumfahrt aufstellt.
Sechs Tage nach Beginn der ersten bemannten Mission des Artemis-Programms der NASA sammelten die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der CSA-Astronaut (Canadian Space Agency) Jeremy Hansen auf ihrer Reise von der Erde weg weiterhin Bilder vom Mond.
„Bei der NASA wagen wir es, höher zu greifen, weiter zu erforschen und das Unmögliche zu erreichen. Das verkörpern unsere Artemis-II-Astronauten – Reid, Victor, Christina und Jeremy – perfekt. Sie erschließen neue Grenzen für die gesamte Menschheit“, sagte Dr. Lori Glaze, stellvertretende Verwaltungsleiterin der Direktion für die Entwicklung von Erkundungssystemen im NASA-Hauptquartier in Washington. „Bei ihrem Engagement geht es um mehr als nur das Brechen von Rekorden – es nährt unsere Hoffnung auf eine mutige Zukunft. Ihre Mission trägt unser Versprechen, auf die Mondoberfläche zurückzukehren, diesmal um dort zu bleiben und eine Mondbasis zu errichten.“
Das Orion-Raumschiff der NASA trat seine Reise zum Mond an, nachdem es am 1. April erfolgreich mit einer SLS-Rakete (Space Launch System) vom Kennedy Space Center der Behörde in Florida gestartet war. Nachdem am folgenden Tag eine Reihe von Manövern durchgeführt worden war, um die Erdumlaufbahn zu verlassen, nahm das Raumschiff Kurs auf den Mond.

„Von der Kabine der Integrity aus, während wir die größte Entfernung überschreiten, die Menschen jemals von der Erde zurückgelegt haben, tun wir dies zu Ehren der außergewöhnlichen Anstrengungen und Leistungen unserer Vorgänger in der bemannten Weltraumforschung. Wir werden unsere Reise noch weiter in den Weltraum fortsetzen, bevor Mutter Erde es schafft, uns zurück zu allem zu ziehen, was uns lieb und teuer ist. Vor allem aber nutzen wir diesen Moment, um diese und die nächste Generation herauszufordern, dafür zu sorgen, dass dieser Rekord nicht lange Bestand hat.“
– äußerte sich der Astronaut Jeremy Hansen von der CSA (Canadian Space Agency) an Bord von Orion, nach erreichen der Rekordleistung.
Zusätzlich zu ihrem Weltraumflugrekord schlug die Besatzung vor, während ihres Fluges zwei Krater auf dem Mond zu benennen. Der erste wird zu Ehren ihres Raumschiffs „Integrity“ benannt. Der zweite ehrt Wisemans verstorbene Frau Carroll. Nach Abschluss dieser Mission werden die Vorschläge für die Kraterbenennungen offiziell bei der Internationalen Astronomischen Union eingereicht, der Organisation, die die Benennung von Himmelskörpern und deren Oberflächenmerkmalen regelt.
Wenn sie später am Mond vorbeifliegen, wird die Besatzung bei der größten Annäherung bis auf etwa 4.070 Meilen an dessen Oberfläche herankommen. Die Astronauten werden die ersten sein, die die Rückseite des Mondes mit bloßem Auge sehen, und sie sind die ersten, die hinter den Mond fliegen. Schließlich werden sie eine Sonnenfinsternis erleben, wenn der Mond vor die Sonne tritt.
(Anm. unserer Redaktion! Das NASA-Zitat ist nicht korrekt: „…Die ARTEMIS II-Astronauten sind die ersten, die die Rückseite des Mondes mit bloßem Auge sehen, und sie sind die ersten, die hinter den Mond fliegen…). Die allerersten Astronauten, die die Mondrückseite mit bloßem Auge gesehen haben, gehörten zur Besatzung von APOLLO 8.

Die NASA rechnet damit, während einer geplanten Funkpause etwa 40 Minuten lang den Kontakt zu den Astronauten zu verlieren. Die Unterbrechung tritt ein, wenn der Mond die Signale zwischen dem Raumschiff und der Erde über das Deep Space Network blockiert. Wenn Orion wieder hinter dem Mond hervorkommt, wird erwartet, dass der Kontakt zu den Fluglotsen im Mission Control Center des NASA Johnson Space Center in Houston schnell wiederhergestellt wird.
Während ihres Mondvorbeiflugs wird eine Batterie von Kameras Bilder vom Mond aufnehmen, darunter auch Merkmale, die Menschen noch nie direkt gesehen haben. Die Astronauten werden eine Vielzahl von digitalen Handkameras einsetzen, um hochauflösende Aufnahmen der Mondoberfläche zu machen. Artemis II bietet den Astronauten die Möglichkeit, Daten zu sammeln, da eines der leistungsfähigsten wissenschaftlichen Beobachtungsinstrumente die vier Augenpaare sind, die die Mondmerkmale bei unterschiedlicher Beleuchtung und Textur beobachten.
Fotos, Videos, Missions-Telemetrie und Kommunikationsdaten sind allesamt Datenquellen des Testflugs, die als Grundlage für zukünftige Artemis-Missionen dienen werden, während die Behörde mit der Entwicklung ihrer Mondbasis beginnt.
Die Astronauten der Artemis-II-Mission haben mehr als die Hälfte ihrer Mission hinter sich. Die Besatzung soll am Freitag, dem 10. April, gegen 20:07 Uhr EDT (17:07 Uhr PDT) vor der Küste von San Diego wassern. Nach der Wasserung werden Bergungsteams die Besatzungsmitglieder mit Hubschraubern einholen und sie zur USS John P. Murtha bringen. An Bord werden die Astronauten in der Krankenstation des Schiffes medizinischen Untersuchungen nach dem Flug unterzogen, bevor sie an Land zurückkehren, um dort in ein Flugzeug zu steigen, das sie zum NASA Johnson Space Center bringt.
Im Rahmen des Artemis-Programms wird die NASA Artemis-Astronauten auf immer anspruchsvollere Missionen schicken, um den Mond weiter zu erforschen – im Hinblick auf wissenschaftliche Entdeckungen, wirtschaftliche Vorteile und um die Grundlagen für die ersten bemannten Missionen zum Mars zu schaffen.
Quelle: NASA
Photos: © NASA, © Josh Valcarcel

