Der Künstler Thomas Baumgärtel, bekannt als „Bananensprayer“, setzt sich für den dauerhaften Erhalt seiner Spraybananen am Schirrhof und am Kunsthaus Bassier in Kamp-Lintfort ein. Die Stadt hat angekündigt, die Banane am denkmalgeschützten Schirrhof nach dem Ende seiner Ausstellung am 18. Oktober 2026 aus Gründen des Denkmalschutzes entfernen zu lassen.
Baumgärtel möchte die verbleibenden Wochen nutzen, um gemeinsam mit Stadt, Denkmalbehörde und Eigentümern nach einer Lösung zu suchen.
„Nicht automatisch entfernen – erst prüfen, sprechen und gemeinsam entscheiden“
„Die Banane bleibt ohnehin bis zum Ende meiner Ausstellung am 18. Oktober. Deshalb besteht überhaupt kein Zeitdruck. Diese Wochen sollten wir nutzen, um miteinander zu sprechen und fachlich zu prüfen, ob Kunst und Denkmalschutz hier nicht dauerhaft miteinander vereinbar sind.“
Baumgärtel betont, dass er den Denkmalschutz ausdrücklich respektiere. Er halte es jedoch für problematisch, wenn nach dem Ausstellungsende automatisch die Entfernung eines Kunstwerks folge, ohne zuvor Möglichkeiten seines Erhalts sorgfältig geprüft zu haben.
Bei den Spraybananen handele es sich nicht um anonym angebrachte Graffiti. Sie entstanden im Zusammenhang mit der „Niederrheintour 2026 – 40 Jahre Bananensprayer“ und damit innerhalb eines groß angelegten Kunstprojekts. Die Banane am Schirrhof wurde zur Vernissage im Einvernehmen mit den Veranstalteran öffentlich und vor anwesender Presse gesprüht.
„Hier geht es nicht um irgendein anonymes Graffiti. Die Spraybanane ist seit vier Jahrzehnten Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit. In Kamp-Lintfort wurde sie sichtbar und öffentlich im Zusammenhang mit einer offiziellen Ausstellung gesetzt.“
Baumgärtel widerspricht Darstellung einer vereinbarten Befristung
Besonders wichtig ist dem Künstler eine Klarstellung. Von Seiten der Stadt wurde gegenüber der Presse erklärt, zwischen Veranstalter beziehungsweise Künstler und Denkmalschutz habe Einvernehmen darüber bestanden, dass die aufgesprühte Banane lediglich während der Ausstellung auf das Gebäude aufmerksam machen sollte.
„Mit mir persönlich wurde zu keinem Zeitpunkt vereinbart oder besprochen, dass die Spraybanane nach dem Ende der Ausstellung wieder entfernt werden soll. Einer solchen Befristung habe ich nicht zugestimmt.“
– erklärt Künstler Thomas Baumgärtel.
Zwei Jahre Arbeit für die Kunstregion Niederrhein
Für Baumgärtel besitzt die Auseinandersetzung eine zusätzliche Dimension. Fast zwei Jahre lang habe er daran gearbeitet, für seine Jubiläumstour 40 Kunstorte am Niederrhein in einem gemeinsamen Projekt zusammenzuführen.
Museen, Kunstvereine, Galerien und weitere Kulturorte sollten nicht nur einzeln präsentiert werden. Ziel sei gewesen, den Niederrhein gemeinsam als bedeutende, lebendige und überregional interessante Kunstregion sichtbar zu machen.
„Ich habe zwei Jahre Arbeit, Energie und persönliche Initiative investiert, um den Niederrhein mit 40 Kunstorten als starke gemeinsame Kunstregion nach außen zu präsentieren. Die Tour sollte zeigen, welches kulturelle Potenzial diese Region besitzt, wenn ihre Kunstorte gemeinsam auftreten.“
„Es wäre bitter, wenn dieses große positive Gemeinschaftsprojekt am Ende ausgerechnet dadurch in sein Gegenteil umschlägt, dass seine sichtbaren künstlerischen Zeichen wieder entfernt werden. Statt einer Region, die Kunst ermöglicht und selbstbewusst nach außen trägt, könnte ein völlig anderes Bild entstehen.“
– gerade deshalb sieht Baumgärtel die angekündigte Entfernung kritisch.
Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht darum, Denkmalschutz und Kunst gegeneinander auszuspielen.

„Ich möchte keinen Konflikt zwischen Kunst und Denkmalschutz. Mich interessiert vielmehr die Frage: Können wir eine Lösung finden, bei der beides erhalten bleibt – das Denkmal und das Kunstwerk?“
Zeit bis zum 18. Oktober für eine gemeinsame Prüfung nutzen
Baumgärtel schlägt deshalb vor, die Zeit bis zum Ende der Ausstellung für eine fachliche Prüfung und ein gemeinsames Gespräch zu nutzen. Dabei könne unter anderem geklärt werden, ob die denkmalwerte Bausubstanz durch die Spraybanane tatsächlich beeinträchtigt wird, wie sich die verwendete Farbe auf die Oberfläche auswirkt und welche denkmalverträglichen Möglichkeiten für einen dauerhaften Erhalt bestehen.
Auch der Vergleich mit anderen denkmalgeschützten Gebäuden, an denen seine Spraybanane seit Jahren erhalten geblieben ist, könne Bestandteil dieser Prüfung sein.
„Ich wünsche mir, dass am 19. Oktober nicht einfach der Reinigungstrupp kommt. Bis dahin haben wir genügend Zeit, miteinander zu sprechen. Die Frage sollte nicht lauten: Wie bekommen wir die Banane wieder weg? Sondern zunächst: Gibt es einen verantwortbaren Weg, sie zu erhalten?“
– soweit Bananensprayer Thomas Baumgärtel.
Aktuell zeigt Kamp-Lintfort in der Orangerie im Terrassengarten Kloster Kamp die große Zusatzausstellung zu Baumgärtels Niederrheintour. Sie endet am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 11 Uhr mit der Finissage.
„Kamp-Lintfort hat meine Kunst eingeladen und ihr mit dieser großen Ausstellung viel Raum gegeben. Ich würde mich freuen, wenn wir diese Zusammenarbeit nicht mit der Entfernung eines Kunstwerks beenden, sondern mit einer gemeinsamen Lösung. Das wäre für mich das stärkste Zeichen dafür, dass Denkmalschutz und lebendige Gegenwartskunst zusammengehören können.“
– sieht Künstler Thomas Baumgärtel gerade darin eine Chance.
Quelle: Atelier Thomas Baumgärtel
Photo: © Thomas Baumgärtel, © Stadtmuseum Euskirchen
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