Es ist still im Duisburger Süden, zumindest noch. Wer in diesen Tagen durch das dichte Blätterdach blickt, mag kaum glauben, dass genau hier ein tiefer Schnitt durch das städtische Ökosystem geplant ist. Die Energiewende fordert ihren Tribut, und diesmal soll der Preis in Duisburg gezahlt werden.
Für das Großprojekt „Delta Rhine Corridor“ (DRC) des Pipeline-Betreibers OGE stehen weite Teile des ohnehin knappen Waldes auf dem Spiel. Eine geplante CO2-Pipeline bedroht das grüne Herz unserer Region – und wirft die drängende Frage auf, wie viel Zerstörung im Namen des Klimaschutzes eigentlich erlaubt ist.

Der geplante Kahlschlag: Zahlen, die alarmieren
Die nackten Zahlen der aktuellen Planungen klingen technisch und distanziert, doch ihre Auswirkungen vor Ort sind verheerend. Auf einer Länge von rund sechs Kilometern soll eine Schneise durch den Wald geschlagen werden. Das bedeutet: Rund 17 Hektar wertvoller, über Jahrzehnte gewachsener Wald würden den Baggern und Kettensägen zum Opfer fallen.
Als Naturjournalist habe ich gelernt, dass Waldflächen auf den Landkarten der Planungsbehörden oft nur wie ungenutzte grüne Flecken wirken. In der Realität ist jeder dieser Hektare ein komplexes, unersetzbares System. Alte Bäume, die tief im Duisburger Boden verwurzelt sind, erfüllen eine unschätzbare Funktion für das lokale Mikroklima.
Sie kühlen die Stadt an heißen Sommertagen, filtern Schadstoffe aus der Luft und speichern Tonnen von CO2 – genau jenen Stoff, den die neue Pipeline eigentlich transportieren soll. Es grenzt an eine bittere Ironie, dass lebendige Klimaschützer aus Holz und Laub vernichtet werden sollen, um eine künstliche Klimaschutz-Infrastruktur zu bauen.

Mehr als nur Holz: Ein Lebensraum und Lernort steht vor dem Aus
Wer den Wert dieses Waldes wirklich verstehen will, muss den Menschen zuhören, die ihn mit Leben füllen. Die Waldjugend Duisburg schlägt seit Monaten lautstark Alarm – und das aus gutem Grund. Für die Kinder und Jugendlichen unserer Stadt ist dieser Wald kein steriles Forstgebiet. Er ist ein lebendiger Lernort, ein Ort der Begegnung und ein unersetzliches Stück Heimat. Seit vielen Jahren erleben junge Menschen hier hautnah, was Artenschutz bedeutet.

Ein intakter Wald lässt sich nach einer Rodung nicht einfach per Knopfdruck ersetzen. Die über Jahrzehnte gewachsenen Böden, die sensiblen Lebensräume für heimische Vögel, Insekten und Säugetiere sowie das über Generationen eingespielte Ökosystem wären nach einem solchen Eingriff auf Jahrzehnte unwiederbringlich verloren. Die Wunden, die eine sechs Kilometer lange Schneise reißt, heilen nicht durch Ausgleichszahlungen oder Neuanpflanzungen an anderer Stelle.
Die Kernfrage: Warum nicht entlang bestehender Trassen?
Es geht den Kritikern und Naturschützern nicht darum, die Energiewende zu blockieren. Dass die Industrie neue Infrastrukturen braucht, um langfristig klimaneutral zu werden, ist ein Fakt, den auch die Gegner des aktuellen Entwurfs nicht grundsätzlich infrage stellen. Doch das Wie steht zur Debatte. Warum muss der Weg des geringsten Widerstands mitten durch unsere wertvollsten Naturflächen führen?
Die Forderung an die Planer der OGE liegt auf der Hand: Eine Pipeline durch unsere ohnehin spärlichen Duisburger Waldflächen ist schlicht nicht akzeptabel. Es gibt Alternativen, die weitaus weniger Schaden anrichten würden. Walderhaltende Alternativen – insbesondere eine Trassenführung entlang bereits bestehender Infrastruktur wie Autobahnen, Schienenwegen oder bereits versiegelten Industriegebieten – müssen ernsthaft, transparent und nachvollziehbar geprüft und miteinander verglichen werden.
Das Planungsverfahren darf keine Geheimsache hinter verschlossenen Türen sein. Die Duisburger Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum schonendere Routen angeblich nicht machbar sein sollen.
Jetzt handeln: Jede Stimme zählt für den Walderhalt
Das Ziel der Duisburger Gemeinschaft ist glasklar: Der Delta Rhine Corridor darf nicht zur Zerstörung unseres Duisburger Waldes führen. Eine walderhaltende Trassenführung muss nicht nur möglich sein, sie muss zur absoluten Bedingung für dieses Projekt werden. Um den Druck auf die Verantwortlichen der OGE und die politischen Entscheidungsträger massiv zu erhöhen, hat die Waldjugend Duisburg eine Petition ins Leben gerufen. Es ist ein dringender Appell an alle Bürgerinnen und Bürger, die den Wert unserer städtischen Flora und Fauna schätzen. Wenn Duisburger Bürger jetzt schweigen, entscheiden bald die Kettensägen.
Unterstützen Sie den Kampf für Duisburgs grüne Lunge! Unterzeichnen auch Sie die Petition und fordern Sie gemeinsam mit vielen gleichgesinnten Bürgern der Stadt eine transparente Prüfung walderhaltender Alternativen.
Schützen wir das, was Duisburg lebenswert macht – unseren Wald.
–> INFOS ZU: „KEINE PIPELINE IM WALD“
–> ZUR PETITION
Quelle: Duisburg-Journal
Photos: © Waldjugend Duisburg, © Below/Naturschutz.ruhr
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