Etwa 1200 Rockfans fanden am letzten Montag den Weg ins große Sparkassen-Zelt am Kemnader See, um die britischen Hard-Rock-Urgesteine Uriah Heep live zu erleben. Die im Jahr 1969 gegründete Band bewies einmal mehr, dass ihre Tradierung des klassischen Progressive-Hardrocks auch im fortgeschrittenen Zeitalter funktioniert.
Zwischen Sitzordnung und Rock-Energie
Einleitend stellte sich jedoch die berechtigte Frage nach der Sinnhaftigkeit einer strikten Bestuhlung bei einer Veranstaltung dieser stilistischen Ausrichtung. Das überwiegend anwesende Bestager-Publikum nahm zunächst geordnet und in spürbarer Erwartungshaltung auf den Bänken Platz. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, den harten, treibenden Klängen einer traditionsreichen Rockband in einer Sitzformation zu lauschen, die eher an ein klassisches Kammerkonzert erinnert. Wer schon Mitte der 70iger Uriah Heep in der bestuhlten Gruga-Halle erlebte, wusste was kommen wird: Frontmann Bernie Shaw brach das Eis prompt mit der Aufforderung, den Montagabend kurzerhand zum einer „Fridaynight in Bochum (nicht Birmingham)“ zu erklären. Spätestens als sich die Reihen erhoben und zur Bühne strömten, wichen die Bedenken und es wurde ein grandioses Rockkonzert.

Evergreen-Garantie am Kemnader See
Musikalisch bot das Set eine stringente Werkschau. Nach dem Opener „Grazed By Heaven“ durften unverzichtbare Evergreens wie „Gypsy“ und „Easy Livin‘“ nicht fehlen. Gitarrist Mick Box, als einziges verbliebenes Gründungsmitglied das unermüdliche Herz der Truppe, glänzte mit gewohnt markantem Spiel. Den emotionalen Höhepunkt markierte schließlich das obligatorische „Lady in Black“, bei dem das gesamte Zelt lauthals einstimmte.
Hier ist die vollständige und detaillierte Setlist des Uriah Heep Konzerts beim Zeltfestival Ruhr in Bochum, basierend auf ihrer aktuellen Abschiedstournee „The Magician’s Farewell“:
Konzert-Setlist
Grazed by Heaven (Druckvoller Opener vom Album Living the Dream)
Save Me Tonight (Moderner Hardrock-Track aus dem aktuellen Album Chaos & Colour)
Shadows of Grief (Ein seltener gespielter, progressiver Klassiker von 1971)
Stealin‘ (Der packende Single-Hit von 1973 mit markantem Groove)
Hurricane (Eine treibende, melodische Rocknummer neueren Datums)
The Wizard (Akustisch geprägtes Meisterwerk mit epischen Keyboard-Flächen)
Sweet Lorraine (Klassischer, tanzbarer Gute-Laune-Rocker)
The Magician’s Birthday (Das progressive Epos inklusive des legendären Gitarren-Soli-Duells)
Gypsy (Das urgewaltige Riff-Monster vom Debütalbum von 1970)
July Morning (Die monumentale, hochemotionale Rock-Hymne schlechthin)
Easy Livin‘ (Der wohl größte, energiegeladenste Uptempo-Hit der Band)
Zugaben
Sunrise (Epischer, harmoniegesangsbetonter Klassiker als Einstieg in das Finale)
Lady in Black (Der unsterbliche Akustik-Evergreen mit den Akkorden „A-Moll und G-Dur“ zum kollektiven Mitsingen und Mitspielen auf der heimischen Gitarre)
Line-Up
Michael „Mick“ Frederick Box (guitars, backing vocals, Gründungsmitglied)
Bernie Shaw (vocals)
Phil Lanzon (keyboards, backing vocals)
Davey Rimmer (drums, backing vocals)
Russell Gilbrook (bass guitar, backing vocals)
Ein ergreifender Abend, der den Status der Band zementierte. Dem Vernehmen nach ist für das Jahr 2027 bereits eine weitere „letzte“ Deutschlandtournee im Gespräch, bei der Mick Box erneut an vorderster Front mitwirken soll.
Quelle: Duisburg-Journal
Photos: © Graebe Media
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