Rund um das städtische Jugendzentrum „Die Mühle“ in Duisburg-Friemersheim versammelten sich am 5. und 6. Juni 2026 rund 3.000 Musikfans, um bei durchwachsenem Open-Air-Wetter ein unmissverständliches Zeichen gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Rechtsruck zu setzen.
Seit nunmehr über zwei Jahrzehnten funktioniert das ehrenamtliche Non-Profit-Event als perfektes Zusammenspiel aus harten Gitarrenklängen und klarer gesellschaftlicher Haltung. Vierzehn Bands an zwei Tagen gratis – Dank des bewährten Crowdfundings und des „Pay-what-you-want“-Prinzips blieb der Eintritt für die gesamte Community frei.

Brasilianische Urgewalt und schwedischer Glamour
Bereits der Festival-Freitag machte unmissverständlich klar, in welcher internationalen Spitzenliga sich die Mühle mittlerweile bewegt. Als Co-Headliner am späten Nachmittag walzte die rein weibliche Death-Metal-Abrissbirne Crypta über das Infield. Die Brasilianerinnen wählten Duisburg als hochexplosiven Auftakt ihrer Europa-Tournee und entfesselten einen brutalen, technisch makellosen Beutezug aus räudigem Old-School-Death. Frontfrau Fernanda Lira peitschte die Menge mit ihren markerschütternden Shouts in einen gigantischen Moshpit***.
„Die Mädels haben hier am Freitag einfach alles dem Erdboden gleichgemacht – ne unfassbare Energie!“,
– johlte eine schweißgebadete Zuschauerin in den vorderen Reihen.
Den stilistischen Kontrast und gleichzeitigen Höhepunkt des ersten Tages lieferten im Anschluss die schwedischen Sleaze-Spezialisten von Crazy Lixx. Mit Stadion-Rock-Hymnen, messerscharfen Riffs und einer Extraportion 80er-Jahre-Spielfreude brachten sie echtes Sunset-Strip-Feeling nach Friemersheim. Die Mischung aus melodischen Ohrwurm-Refrains und purer Hard-Rock-Extase ließ das Publikum textsicher mitsingen und sorgte für einen absolut glorreichen Freitags-Ausklang.
Finsterer Death Metal und Ruhrpott-Thrash
Der Samstag erreichte – nach einigen Schauern von oben – in den späten Abendstunden seine musikalische Hochphase, als die Mühle im rasanten Takt „zerlegt“ wurde. Den Anfang machten die Lokalmatadore von Night In Gales. Die Melodic-Death-Metal-Institution aus der Region lieferte ein erbarmungsloses Set ab, das mit rasiermesserscharfen Gitarrenharmonien die Reihen im Handumdrehen zum Kochen brachte.



Nahtlos ging es weiter mit Darkness. Die legendären Altenessener Thrash-Urgesteine bewiesen eindrucksvoll, warum der Ruhrpott-Thrash ein weltweites Gütesiegel bleibt. Ein donnerndes Rhythmusfundament traf auf hasserfüllt-präzise Shouts.
Direkt im Anschluss entfesselten die finnischen Co-Headliner von Omnium Gatherum eine gewaltige Wand aus epischen Melodien und „tonnenschwerem“ Melodic-Death-Metal-Groove, die Friemersheim in ein nordisches Klangmeer verwandelte.




Ruhrpott-Eskalation dann zum Finale: Eisenpimmel brechen alle Regeln
Den absolut denkwürdigen, ultimativen Schlusspunkt setzte in diesem Jahr jedoch keine Metal-Band, sondern eine Institution des hiesigen Kult-Punks: Eisenpimmel. Die Duisburger Urgesteine brachten ab ca. 21:45 Uhr mit ihrem „Punk mit Geschmacksverstärker“ den Innenhof endgültig zum Überlaufen. Mit Texten voll von authentischem Ruhrgebiet-Charme, reichlich Humor, Eierlikör und einer rotzigen Live-Energie lieferte die Band den perfekten Kontrast zum vorherigen Metal-Drei-Gestirn an diesem Abend. Das Infield verwandelte sich in ein tanzendes, mitsingendes Tollhaus.




„Hier feiert die Szene genau so, wie es im Pott sein sollte: brutal auf der Bühne, aber absolut respektvoll und tolerant im Moshpit“,
– resümierte ein sichtlich erschöpfter, aber glücklicher Fan im traditionellen Kutten-Outfit, während im Hintergrund die letzten Akkorde von Siggi Katlewski und seiner Truppe verhallten.

Das Festival 2026 hat wieder einmal eindrucksvoll untermauert, dass das „Rage“ weit mehr als nur ein Umsonst-und-Draußen-Konzert ist – es bleibt ein unersetzlicher, lautstarker Pfeiler für Vielfalt und gelebten Zusammenhalt im Ruhrgebiet.
Quelle: Duisburg-Journal (red)
Photos: © MMB/Below
***(Anm. d. Red.): Ein Moshpit ist ein kreisförmiger Bereich direkt vor der Konzertbühne, in dem das Publikum wild, energisch und dynamisch tanzt.
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